Mein Zündkerzen-Erlebnis

Von Robert Appel

Irgendwann vor ein paar Jahren freute ich mich lange im Voraus auf die Schwarzwald-Rundfahrt, an welcher ich zum ersten Mal mit meiner BMW R25/2 teilnehmen würde. Also mit meinem liebevoll gepflegten Oldie, den ich selbst restauriert hatte, allerdings mit viel und immer wieder dringend benötigter freundschaftlicher Hilfe meiner Schrauber-Kollegen, denn ich war nie Mechaniker und werde es auch wohl nie werden (vielleicht nicht gerade mit zwei linken Händen ausgestattet, aber trotzdem ohne die Fähigkeiten und den Einfallsreichtum, welche einen guten Schrauber nun halt mal ausmachen, seufz!).

Aber der Töff lief hervorragend, und erwartungsvoll bollerte ich zum Treffpunkt in Weil am Rhein, wo meine FAM-Freunde schon zahlreich anwesend waren und dem obligaten Briefing von Hampe Zaugg lauschten. Bald ging es los und die bekannte endlose Schlange wälzte sich in einer bläulichen Abgaswolke mit Getöse durch das badische Nachbarland in Richtung Kandern. Wittlingen erschien gerade vor meinem Helmvisier, als es unter mir plötzlich knallte. Gleichzeitig verspürte ich einen Schlag an meinen linken Knöchel, aber vom Motor hörte ich plötzlich nichts mehr. Auskuppeln und ausrollen lassen, dann ein vorsichtiger, ahnungsvoller Blick nach unten: Da, wo sich normalerweise die Zündkerze aus dem Motor reckt, klaffte ein grosses Loch Zylinderkopf, und das Zündkabel baumelte hilflos am Block. Erste Reaktion, Selbstkritik: Hatte ich eventuell die Zündkerze nicht richtig eingeschraubt? Aber da war nicht einmal ein Gewinde sichtbar?? Während die FAM-Kollegen in einer schier endlosen Kolonne an mir vorbeiröhrten, hastete ich zurück und fand tatsächlich die Kerze auf der Strasse, und zwar samt dem Gewinde-Sitz (an welchem ich mir zuerst mal die Finger verbrannte). Die Kerze war samt des Sitzes aus dem Zylinderkopf geflogen – mach mir einer das mal nach!

Während ich ziemlich ratlos neben meinem kerzenlosen Töff stand, machte ein paar hundert Meter vor mir eine Dampflok der Kandertalbahn einen Zwischenhalt, und ich sah den Lokführer breitbeinig vor seiner Lok stehen und in meine Richtung blicken. Mein klingelndes Telefon bestätigte meine Vermutung: es war Toni Huwyler, neben dem Lokführer-Job ebenfalls FAM-Kollege, der offenbar meine schöne Gestalt richtig identifiziert hatte. Sein Angebot, den Töff bei ihm einzuladen und mit ihm zurück nach Haltingen zu fahren, schlug ich jedoch aus. Ich wollte ja nicht seinen gutgelaunten und grinsenden Passagieren hundert mal mein Missgeschick erklären müssen! Stattdessen schob meinen weidwunden BMW zu einer Autowerkstatt, wo er die Nacht über Asyl bekam. Am nächsten Morgen brachte ich ihn dann in die Werkstatt, die ich mit Hampe Zaugg zusammen belegte.

Ich realisierte dann rasch, dass die Reparatur meine/unsere Möglichkeiten überstieg. Mein Vorbesitzer war offensichtlich auch an diesem Umstand gescheitert, indem er den Kerzensitz nicht fachgerecht eingepresst hatte. Das Bohrloch, in welches er den Sitz pressen wollte, war überdies zwetschgoid… Hilfe in meiner Ratlosigkeit fand ich dann bei meinem Harley-Mechaniker, der mit einer beiläufigen Handbewegung die Leichtigkeit der Reparatur signalisierte: nur her damit, kein Problem, er werde das löten. Löten?? Ja, kein Problem, das reiche digge.

Aber die Geschichte war damit noch lange nicht bei einem guten Ende. Nach etlichen Wochen fragte ich behutsam nach, ob, und wann? Er war noch nicht dazu gekommen. Weitere erfolglose Nachfragen ein paar Wochen später, aber irgendwann durfte ich den Zylinderkopf freudig wieder in Empfang nehmen. Mein Töff hämmerte gleichenabends wieder, aber mir fiel auf, dass rund um die Zündkerze ein kleiner Wind blies! Also den Zylinderkopf wieder zurück zur Harley-Werkstatt – seine Freude hielt sich in Grenzen. Er werde das Loch nun halt sauber ausbohren und einen neuen Sitz einpressen.

Wieder etliche Nachfragen, aber irgendwann bestellte er mich zu sich, um das bis dann reparierte Ding abzuholen. Aber von wegen: erst während ich in seinem Laden wartete, machte er die Reparatur auf die Schnelle oder versuchte es zumindest: Beim Einspannen des Zylinderkopfes brachen ihm mehrere Kühlrippen weg… Also ein neuer Zylinderkopf (das hätte ich billiger haben können, und vor allem schneller).

Zur Info: der Töff läuft seither wieder gut, wenn nicht gerade ein Problem mit der Zündung meine laut Werbung BMW-spezifische Freude am Fahren trübt. Nochmals: Ich bin kein Mechaniker und werde es wohl nie werden.

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